Geschichte und Gegenwart

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Die älteste Urkunde mit der Nennung von „Adenthorpe“ stammt von 1252 (Ortsteil Erbstorf: 1251). Dass das Ortsgebiet ein viel älterer Siedlungsraum ist, bezeugen Bodenfunde aus frühgeschichtlicher Zeit. Wann Adendorf - vielleicht als „Dorf des Ado“ - entstand, ist unbekannt. In einer späteren amtlichen Aufzeichnung ist vom Adendorfer „Zehnten“, der bäuerlichen Naturalsteuer, im Jahr 1250 die Rede. Auch die reizvolle Adendorfer Johanneskapelle, nach einer kirchlichen Quelle 1258 erbaut, scheint älter zu sein und zumindest 1252 schon existiert zu haben. Dieses älteste Gebäude des Ortes ist noch heute Gotteshaus und zugleich ein kultureller Mittelpunkt Adendorfs. Die Johannes dem Täufer gewidmete Kapelle gehörte zu den regionalen Taufkirchen in Nachbarschaft zum slawischen Siedlungsgebiet. Es hat drei große Brände überstanden, die – in den Jahren 1374, 1627 und 1895 - jeweils den größten Teil der Gebäude im Altdorf vernichtet hatten.

Seit 1644 gab es in Adendorf ein Rittergut, das seinen Herren einen Sitz im „Landtag“ (damals das Parlament des gesamten Herzogtums) sicherte. Mehrere im Dreißigjährigen Krieg „wüst“ gewordenen Höfe hatten seine Gründung begünstigt. 18 Bauernstellen hatte es vor dem großen Kriege gegeben; danach wurde die Zahl von einem Dutzend nicht mehr überschritten. Der Gründer des Rittergutes, Christoph von Bardeleben, gehört als Ratgeber des Herzogs und „Landschaftsdirektor“, d. h. Vorsitzender des wichtigsten Landtags-Ausschusses im Herzogtum, zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Adendorfer Geschichte. Ohne das Rittergut hätte er nicht als „Ritter“ Politik machen können. Diesem Gut hatten etwa zwei Fünftel der dörflichen Gemarkung zugehört. 1926 verstaatlicht und zu einem Lehrgut gemacht, endete es durch Aufteilung in den 1970er Jahren.

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Auch im Ortsteil Erbstorf hatte es ein Gut gegeben, 1645 von dem eben nobilitierten Obristen Anton Meyer durch Zusammenlegung von vier wüst gewordenen Höfen gegründet. Das ehemalige Herrenhaus und das zugehörige „Efeuhaus“ erinnern daran. Letzteres hatte die Zerstörung des Dorfes im Dreißigjährigen Krieg (1627) überlebt und ist heute das älteste Erbstorfer Gebäude.

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Nicht erhalten ist der alte Schafstall, in dem 1655 die erste gemeinsame Dorfschule für die Kinder aus Adendorf, Lüne und Erbstorf eingerichtet wurde. Erbstorf scheint sogar schon früher einen eigenen Schulmeister gehabt zu haben. Der Gedanke, Jungen und Mädchen auch auf dem Lande im Lesen, Schreiben und Rechnen zu unterweisen, war von der Reformation ausgegangen. Unter Adendorfs Grundherren, denen die Bauern abgabepflichtig waren, wurde im Spätmittelalter das Kloster Lüne (nach der Reformation das „Amt Lüne“) am wichtigsten. Auf den Äckern der rund 1100 ha großen Gemarkung wurde vor allem Roggen angebaut, daneben Hafer und Gerste. Auch zwei Weinberge hat es gegeben. Zweierlei Bodenschätze trugen zum Wohlstand des Ortes bei: Torf und Ton. Am Torfabbau im Adendorfer Moor waren alle Bauern beteiligt. Die Tonvorkommen führten zur Gründung von Ziegeleien im 19. Jahrhundert. Deren hat es in Adendorf insgesamt sechs, in Erbstorf weitere drei gegeben; inzwischen sind alle abgerissen, und aus der größten Tonkuhle ist ein hübsches Erholungsgebiet, die „Teichaue“, geworden. Durch den Ziegelverkauf und die Schaffung vieler Arbeitsplätze waren diese Betriebe - vor allem die Ziegelei „Elba“ (bis 1967), die „Adendorfer Ziegelwerke“ am Scharnebecker Weg (bis 1969) und die Erbstorfer „Aristo-GmbH“ (bis 1962) - ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

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Zu den Kuriositäten der Adendorfer Geschichte gehört die Existenz eines Heilbades („Gesundbrunnen“). Am Rande der Gemarkung, am Geesthang über der Ilmenau-niederung gelegen, wurde der dem Heiligen Gangolf gewidmete „Gungelsbrunnen“ seit dem späten 15. Jahrhundert weithin bekannt, weil dem Quellwasser erstaunliche Heilkräfte zugesprochen wurden. Um 1646 ist von fünf Quellen die Rede. Von dem regen damaligen Badebetrieb gibt der Kupferstich von Wilhelm Schwan (1647) einen Eindruck. Später sind die Quellen versiegt.

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Während seitdem auch in der übrigen Adendorfer Flur Quellen und Teiche allmählich geschwunden sind, wurde auf ganz andere Art das Wasser bedeutsam: durch den 1976 eröffneten Elbe-Seitenkanal. Bereits einen Monat nach der Einweihung brachte er durch einen folgenschweren Dammbruch Erbstorf auf ungute Weise in die Schlagzeilen der Presse. Sieben Millionen Kubikmeter Wasser ergossen sich über die nahen Fluren in Richtung Lüne und zerstörten Gebäude, Straßen, Bahnlinien, Sportanlagen und Felder. Im 20. Jahrhundert, das mit insgesamt nur 345 Adendorfer Einwohnern begann, hat das Dorf eine Bevölkerungsexplosion erlebt. Das lag zum Teil an den kriegsbedingten Zuwanderungen und an der Zusammenführung von Adendorf und Erbstorf zu einer Einheitsgemeinde 1974. Aber auch eine rege Bautätigkeit, gefördert durch ein immer neues Angebot von Bauplätzen durch die Gemeinde, führte zum rasanten Anstieg der Bevölkerungszahl im 20. Jahrhundert. In einem einzigen Jahrhundert um das Sechs-undzwanzigfache gewachsen, überschritt sie 2007 die Zehntausend.

Mit dem Bauerndorf ist es allerdings - im Adendorfer Altdorf bis auf einen letzten Hof - vorbei. Die Bevölkerungsstruktur hat sich durch die nichtbäuerlichen Berufe vollkommen gewandelt. Unter den vielen Zuwanderern finden sich übrigens Mitbürger aus über fünfzig Nationalitäten. Nach der evangelischen Gemeinde mit der Emmauskirche hatte die katholische Christ-König-Gemeinde 1963 ihr eigenes Gotteshaus weihen können; 1976 entstand eine neuapostolische Kirche, und die Adventgemeinde bezog 2006 ein eigenes Gemeindezentrum. Gewerbegebiete wurden erschlossen, Kindergärten und Spielplätze erbaut.

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Neue Schulbauten und großzügige Sportanlagen mit Tennis- und Golfplätzen, Sporthallen und beheiztem Freibad entstanden seit den 1960er Jahren. Seit die 1976 geschaffene Kunsteisbahn acht Jahre später überdacht wurde, verfügt Adendorf über ein Eisstadion, mit dem sich in Norddeutschland nur noch Hannover und Hamburg-Stellingen messen können. Zu diesen Freizeitangeboten gehört die Bücherei am Rathausplatz mit ihren zusätzlichen kulturellen Angeboten.

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Aber auch die günstige Verkehrsanbindung aller Ortsteile, die gute ärztliche Versorgung, das reichhaltige Angebot an Einkaufsmöglichkeiten und Dienst-leistungsbetrieben sowie ein vielfältiges Vereinsleben haben die Einheitsgemeinde Adendorf zu einem Ort mit hohem Wohn- und Freizeitwert gemacht.

(F. d. R. Dr. Picht, November 2011)

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